Der Garten

Um es vorneweg zu nehmen: Wir sind keine Profis! Unseren Garten haben wir nach Gutdünken und aus Leidenschaft gestaltet. Einen Gartenplan als Grundlage hatten wir nicht. Einzig der Wunsch, den Garten in verschiedene Bereiche zu unterteilen, verlieh der anhaltenden Pflanz-Euphorie eine gewisse Struktur. Dabei sind uns mitunter einige Fehler unterlaufen, die es heute notwendig machen, Pflanzen neu zu platzieren oder Bereiche einer gänzlichen Gestaltungsänderung unterziehen zu müssen. Wie so viele Gartenbesitzer haben auch wir den Anfängerfehler begangen und Pflanzen teilweise zu nahe zueinander gesetzt. Sie waren doch beim Setzen sooo klein… Aber mal ganz ehrlich, die Wuchskraft gewisser Pflanzen grenzt schon ans Unglaubliche und entspricht irgendwie so gar nicht den Angaben, die beim Kauf auf dem Etikett des Gartencenters vermerkt waren 🙄 Es zeigt sich auch hier: Die Natur hält sich nicht an Vorgaben 😉

Wie dem auch sei, unsere Vision war es, gepflegte Gartenbereiche mit denjenigen eines „Wildgartens“ zu vereinen. Rosen und Zierpflanzen sollten genauso ihren Platz finden wie einheimische Wildstauden, Totholz- und Steinhaufen. Eingegrenzt haben wir dieses Kunterbunt grösstenteils mit einheimischen Sträuchern, die allmählich zu einer grossen Vogelhecke heranwachsen.

Wie Alles begann (2009)

Als wir den Garten übernahmen, war das Grundstück geprägt von einem eher vernachlässigten Rasen, der von verschiedenen Koniferen umsäumt wurde. Kleine Rosenbeete bildeten Farbtupfer in der eher grünen Einöde.

Der Gartenteich entsteht (2010)

Wasser gehört für uns einfach in einen Naturgarten. Damit der Bagger noch freie Zufahrt auf unser Grundstück hatte (bevor unsere Pflanzwut ausbrechen konnte), erstellten wir schon sehr früh den Gartenteich.

Der Garten entsteht (2011 – 2013)

Allmählich gewann der Garten an Struktur. Wege wurden gelegt (Kies) und anschliessend die Beete aufgeteilt. Damit unser Hund sich frei auf dem Gelände bewegen konnte, liessen wir einen Zaun um unser Grundstück ziehen. Wichtig dabei war, dass das Maschendrahtgeflecht mindestens 10 cm Abstand zum Boden aufwies, damit Kleintiere wie Igel und Marder frei passieren konnten. Das Gartenhäuschen, welches in einem schlechten Zustand war, renovierten wir komplett und malten es in Weiss/Grau an.

Die Strukturen entwickeln sich (2014)

Neue Kleinstrukturen entstanden. So als Beispiel ein Trocken- und ein Feuchtstandort. Das viele Schnittholz bot sich an, erste Totholzhaufen zu erstellen. Ein Landwirt aus der Nachbarschaft lieferte uns Ackersteine, aus welchen wir Steinhaufen bildeten, um neue Lebensräume zu schaffen. Zudem erstellten wir ein Insektenhaus, das für Wildbienen und andere Insekten eine geeignete Brutstätte darstellen sollte.

Immer mehr Tiere ziehen ein (2015)

Schon im folgenden Jahr nach dem Bau des „Insektenhotels“ waren alle freien Zimmer, äh Bohrlöcher ausgebucht. Hunderte unterschiedlichster Wildbienen summten um das Holzhäuschen herum und waren mit Eiablage, Sammeln von Pollen und dem Verschliessen der Löcher beschäftigt. Ein Igel hatte sich inzwischen auch eingefunden und zog Nacht für Nacht grunzend und schnalzend durch den Garten. Einmal, als wir im Garten arbeiteten und dabei etwas zu viel an Lärm produzierten, reklamierte das Stacheltier mit lauten Rufen. Nachdem wir unsere Lärmemissionen umgehend verringert hatten, und ich mich bei dem Tier gebührend entschuldigt hatte 😉 schlief der Igel friedlich unter der kleinen Holzbrücke beim Gartenteich weiter. Auch Blindschleichen konnten wir inzwischen vermehrt in unserem Garten beobachten. Das lag bestimmt an den vielen Strukturbereichen, die inzwischen entstanden waren und unzählige Versteckmöglichkeiten boten.

Kräuterbereich mit ersten Wildblumen (2016)

Im Jahr 2016 machten wir uns hinter den geplanten Kräuterbereich. Hier wurde der Rasen sorgfältig entfernt, die Wurzeln in der Erde entfernt und anschliessend eine Unkrautfolie verlegt. Auf diese Folie wurde dann ein Sand-/Steingemisch ausgebracht, um so einen möglichst mageren, wärmespeichernden Boden für die Kräuter und Wildblumen schaffen zu können.

Unser Gartenteich weist, wie sich nach einiger Zeit herausstellte, zu wenige Flachwasserzonen auf. Dies war ein Fehler beim Ausheben der Grube. Vögel hatten Mühe, eine geeignete Bademöglichkeit zu finden. Aus diesem Grund haben wir direkt neben dem Teich ein kleines Becken ausgehoben, das nur eine geringe Tiefe besitzt. Mit einem Überlauf in den grossen Teich wird vermieden, dass diese Flachwasserzone vollläuft. Kaum erstellt, vergnügten sich schon die ersten Vögel in dem Bereich und putzten hier ihr Federkleid. Heute wird das Vogelbad sehr rege genutzt.

Wildblumenwiese (2017)

Das Jahr 2017 stand ganz im Zeichen der neuen Wildblumenwiese. Durch einen Gärtnerbetrieb (Stift Höfli), der sich auf naturnahe Gärten spezialisiert hat und eine grosse Wildblumen-Gärtnerei besitzt, liessen wir die restlichen Rasenflächen entfernen und eine Wildblumenwiese ansäen. Der Zeitpunkt schien uns optimal, hatten wir doch den Boden über die Jahre hinweg bewusst aushungern lassen und keinerlei Dünger ausgebracht. Wir waren extrem gespannt, wie sich die Wiese entwickeln würde.

Im oberen Bereich des Gartens liessen wir durch den Gärtner eine alte Thuja-Hecke entfernen. An deren Stelle kam ein Weidenzaun, der aus Schnittmaterial aus dem nahegelegenen Naturschutzgebiet „Seebachtal“ aufgebaut wurde.

Wildblumen dominieren das Bild (2018/2019)

Obschon das Jahr 2018 einen ausserordentlich trockenen Sommer mit sich brachte, gedieh die Wildblumenwiese prächtig. Wir freuten uns an Wiesensalbei, Witwenblume, Feldnelken, Gemeinem Wundklee, Wiesenbocksbart, Futter-Esparsette und unzähligen anderen Blumen. Der ganze Garten war von Summen und Brummen erfüllt. Zum ersten Mal zeigte sich auch eine schwarz-blaue Holzbiene und besuchte Tag für Tag die Blüten der Wicken, die sich am Staketenzaun entlangziehen.

Ende Juni unterzog ich die Wildwiese mit einer Sense einem ersten Schnitt, lies das Gras zwei, drei Tage zum Trocknen liegen und deponierte es anschliessend im offenen Kompost, um möglicherweise an den Pflanzenstängeln vorhandene Insekteneier nicht zu verlieren. Ein zweiter und letzter Schnitt der Wiese erfolgte dann Ende September.

Auch im 2019 zeigte sich die Wiese von ihrer schönsten Seite und zog unzählige Insekten an. Zum ersten Mal konnten wir Zauneidechsen in unserem Garten beobachten, die im Sommer dann Nachwuchs hatten. Einmal sah ich an einem warmen Abend sogar eine junge Ringelnatter, die sich über den Kiesweg schlängelte. Ob diese noch immer in unserem Garten lebt, bezweifle ich, da unser Grundstück inmitten eines Siedlungsgebietes liegt und damit zu wenig vernetzt ist. Gefreut hat mich diese kurze Beobachtung aber trotzdem…

Für uns ein persönlicher Höhepunkt war die Auszeichnung (Zertifizierung) unseres Gartens durch Pro Natura. Warum wir auf dieses Zertifikat Wert legen? Einerseits möchten wir damit darlegen, dass unser „wilder“ Garten durchaus seinen Sinn hat. Vielen Menschen gefällt diese „Wildheit abseits von akkurat gepflegten Rasenflächen“ nicht. Aber genau dies ist Natur. Nur zurückhaltende Eingriffe, die Natur möglichst walten lassen. Was aber nicht bedeutet, dass ein Naturgarten keine Arbeit macht! Gemäss unseren Erfahrungen ist genau das Gegenteil der Fall. Andererseits suchen wir mit dem Pro Natura Label auch eine Art Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Als Grundstückbesitzer tragen wir unseres Erachtens auch eine gewisse Verantwortung, der Natur etwas zurückzugeben. Einen kleinen, lebenswerten Raum, den wir mit unzähligen anderen Lebewesen teilen.

Ab Sommer 2019 sollen hier regelmässig Informationen über unseren Garten veröffentlicht werden.

Informationen zu unserem Garten

Übernahme des Grundstücks: September 2009
Grundstücksgrösse (mit Haus, Parkplatz, Carport): 877 m2, Gartenanlage: ca. 730 m2
Lage:  Seebachtal, Kanton Thurgau
Höhe : 506 M. ü. M.
Im Garten sind Gifte (wie z. B. Pestizide etc.) absolutes Tabu. Er wird rein biologisch gepflegt. Für den Wiesenschnitt kommen weder Motorsensen noch Rasenmäher zum Einsatz.